Eine Lanze für den Minimalismus

Es ist schon unglaublich, was man heute mit Hinblick auf Grafik so alles mit dem Computer anstellen kann. Computerspiele nutzen dies häufig weidlich aus, nein, heutzutage werden selten kleine Brötchen gebacken, es ist ein Zeitalter des Maximalismus. Gleichwohl schmecken kleine Brötchen häufig besser.

Brötchen und Tetris

In den Neunzigern war es wohl, als uns die wahrhaft leckeren Brötchen abhanden gekommen sind – schwer ist es mittlerweile, einen Bäcker zu finden, der zum einen unabhängig ist und zum anderen auch noch leckeres Backwerk anzubieten hat. Sicherlich, es ist absolut keine wirkliche Beleidigung für den Gaumen, was man so vorgesetzt bekommt – relativ aber schon. Seit die meisten Bäckereien in den Händen von großen Ketten sind und, was die Rezeptfreiheit angeht, der Bäcker Hände mit großen Ketten gebunden sind, geht man bei der Produktpalette den Weg des geringsten Widerstandes: die Brötchen müssen nicht mehr unbedingt besonders gut schmecken, denn was für den abhängigen Bäcker zählt, das ist nicht mehr die eigene Reputation, sondern der profitabelste Absatz möglichst vieler Einheiten.

Dies wird mitunter mit seltsamen Zutaten erreicht. Heutige Brötchen sind Trash auf hohem Niveau. Eine Ausnahme bilden häufig „Ostbrötchen“. Was auf dem ehemaligen Gebiet des Arbeiter- und Bauernstaates gebacken wird, ist häufig kleiner, dichter und leckerer. Noch weiter aus dem Osten kommt Alexei Leonidowitsch Paschitnow her: der russische Programmierer entwickelte 1984 in Moskau auf dem Sowjetrechner „Elektronika 60“ das Spiel „Tetris“, das wohl genialste Game-Konzept aller Zeiten.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen

Was hinter dem antifaschistischen Schutzwall und dem Eisernen Vorhang vorging, war sowohl in puncto Brötchen als auch in spieltechnischer Hinsicht unübertroffen – und ist es bis heute. Was den Reiz des Spiels mit den Steinen ausmacht, ist ja gerade seine Simplizität, seine schlichte Schönheit: man versucht, mit ausschließlich aus Quadraten und rechten Winkeln zusammengesetzten Steinen möglichst keine Mauer zu bauen, sondern seine Reihen möglichst sauber und flach zu halten. Da können Spiele heutzutage noch so realistisch und dreidimensional exotische winterharte Palmen - möchte man die Authentizität überprüfen, kann man die dargestellten Palmen mit echten Exemplaren vergleichen, die man sich bei www.palmenwinterhart.de beschaffen kann - in Bewegung darstellen – und das nur im Hintergrund; das Konzept der fallenden Steine wird niemals langweilig; allenfalls die Augen werden irgendwann müde. Das Ziel zog zahllose Klone (über 100 Versionen allein für den C64) und einen hässlichen Lizenzstreit nach sich – und das Konzept fand zahllose Nachahmer: Blockout, Dr. Mario, Tryptichon etc.

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